Überblick zu den geltenden Pflegestufen und deren Änderungen 2017

Eine völlig neue Reform soll ab Anfang 2017 die bisher geltenden Pflegestufen ablösen. Das bedeutet, dass die Pflegestufen von 0 bis 3 durch 5 Pflegegrade ersetzt werden. Die pflegebedürftigen Menschen, welche von dem Medizinischen Dienst der Krankenversicherungen (MDK) schon begutachtet und eingestuft wurden, brauchen keine Sorge zu haben, dass ihre bestehenden Leistungen gekürzt werden.

System der bisherigen Pflegestufen – Antragstellung

Nicht nur im Alter, sondern auch jüngere Menschen sind im Alltag auf die Pflege anderer angewiesen. Da reicht ein „Danke“ auf die Dauer nicht aus. Deshalb wurde das Pflegegeld eingeführt. Damit hat der Pflegebedürftige die Möglichkeit dem Helfenden eine finanzielle Anerkennung für seine Leistungen zukommen zu lassen.

Der Medizinische Dienst der Krankenversicherungen (MDK) bestellt einen Gutachter, der die Pflegebedürftigkeit einschätzt. Die Sozialversicherung gibt es schon seit dem Jahr 1883. Das Pflegegeld wurde jedoch erst 1995 eingeführt. Dieses Stufensystem hat sich als positiv erwiesen, was sich daran ermessen lässt, wie lange es seine Gültigkeit besitzt.

Es wird von dem Pflegebedürftigen bei seiner Krankenkasse ein Antrag auf eine Pflegestufe gestellt. Innerhalb kürzester Zeit bekommt der Antragsteller ein Formular für seinen behandelnden Arzt und einen Termin zur Begutachtung. Hierzu erfolgt ein Hausbesuch. Dabei wird zum einen das Umfeld angeschaut, hauptsächlich aber die Person, welche die Pflegestufe beantragt hat. Liegt eine Pflegebedürftigkeit vor, wird in den meisten Fällen zunächst die geringste Pflegestufe genehmigt.

Pflegestufen von 0 bis 3

Die Zuweisung der Pflegestufen erfolgt nach einer Art Katalog. In diesem ist festgehalten, wie viel Zeit, für welchen Teil der Hilfestellungen benötigt wird.

Pflegestufe 0

Im Zuge der Pflegereform 2008 wurde die Pflegestufe 0 eingeführt. Bisher sorgte der Begriff nicht nur für Verwirrung, sondern fand bei den Leistungsträgern auch kaum Anwendung. Es handelt sich bei der Pflegestufe 0 um Patienten, die noch keiner anderen Pflegestufe entsprechen, da die Zeit der täglichen Grundversorgung 45 Minuten unterschreitet. Werden Pflegesachleistungen beantragt, erfolgt keine Auszahlung, sondern eine Verrechnung mit den Leistungen, die in Anspruch genommen wurden.

Pflegestufe 1

Für die Zuweisung der Pflegestufe 1 muss eine erhebliche Pflegebedürftigkeit vorliegen. So muss wenigstens einmal am Tag die Hilfe bei zwei Verrichtungen im Bereich Körperpflege, Ernährung oder Mobilität notwendig sein. Zudem ist die Notwendigkeit nachzuweisen, dass mehrfach wöchentlich eine hauswirtschaftliche Versorgung erforderlich ist.

Diese Tätigkeiten können von Familienangehörigen, Nachbarn oder anderen Personen ausgeführt werden, ohne dass sie eine medizinische Pflegekraft sind. Der tägliche Aufwand muss 90 Minuten betragen. Hiervon müssen 45 Minuten der täglichen Grundpflege zuzuordnen sein. Monatlich wird ein Pflegegeld in Höhe von 225 Euro oder 450 Euro für Sachleistungen bereitgestellt. Eine Kombination ist möglich, wobei diese anteilig verrechnet wird.

Pflegestufe 2

Für die Pflegestufe 2 muss eine schwere Pflegebedürftigkeit vorliegen. Sie liegt dann vor, wenn 3 Stunden täglich Hilfe benötigt wird. Zu beachten ist, dass 2 Stunden auf die Grundpflege entfallen müssen. Dreimal täglich zu unterschiedlichen Zeiten muss Hilfe für die Körperpflege, Ernährung oder Mobilität benötigt werden. Ergänzt wird der Bedarf durch mehrfache Hilfe pro Woche für die hauswirtschaftliche Versorgung. Auch hier müssen noch keine Fachkräfte zum Einsatz kommen. Sind die Kriterien erfüllt, beträgt die monatliche Auszahlung 440 Euro. Alternativ können auch Sachleistungen in Höhe von bis zu 1.100 Euro beantragt werden. Bei der Kombination der Leistungen erfolgt diese anteilig.

Pflegestufe 3

Wird die Pflegestufe 3 beantragt, handelt es sich um eine Pflegebedürftigkeit, bei der Hilfebedarf zu jeder Tages- und Nachtzeit gegeben sein muss. Es handelt sich demzufolge, um eine Rund-um-die-Uhr-Betreuung in der Häuslichkeit. Bei der zeitlichen Bemessung liegen 5 Stunden täglich zugrunde. Für die Grundpflege müssen davon 4 Stunden aufgewendet werden. Sind die bisherigen Betreuungspersonen in der Lage die anfallenden Arbeiten zu verrichten, ist es keine Bedingung, dass ausgebildetes Pflegepersonal die Versorgung übernimmt. Wurde der Antrag genehmigt, beträgt die Höhe des Pflegegeldes 700 Euro monatlich oder maximal 1.550 Euro für Pflegesachleistungen. Eine Kombination ist auch hier möglich.

Wurde der Antrag auf Pflegestufe abgelehnt, kann innerhalb der Frist ein Widerspruch eingelegt werden. Hat dieser ebenfalls keinen Erfolg, bleibt noch die Klage beim Sozialgericht.

System der neuen Pflegegrade

Ab 2017 gibt es 5 Pflegegrade. Dabei entsprechen die bisherigen Pflegestufen 0 und 1 dem Pflegegrad 2. Die Pflegestufe 1 mit eingeschränkter Alterskompetenz und die Pflegestufe 2 entsprechen dem Pflegegrad 3. Die Pflegestufe 2 mit eingeschränkter Alterskompetenz und die Pflegestufe 3 entsprechen dem Pflegegrad 4. Die Pflegestufe 3 mit eingeschränkter Alterskompetenz und der Härtefall entsprechen dem Pflegegrad 5.

Pflegestufe
(-)
Pflegegeld
(Euro)
Pflegesachleistungen
(Euro)
0 123 231
1 244 468
1 (mit Demenz) 316 689
2 480 1144
2 (mit Demenz) 545 1298
3 728 1612

Des Weiteren gibt es noch die Verhinderungspflege und auch Hilfsmittel. Wie genau es mit der Verrechnung aussieht, ist beim Leistungsträger, also den Krankenkassen, genau zu erfragen.